Sonder- und Besonderheiten

27April2015

Bisher habe ich euch eigentlich fast immer nur ueber bestimmte grosse Ereignisse wie Reisen oder Feste berichtet. Jetzt, 3 Wochen vor Abflug, raffe ich mich nochmal auf, alle kleinen alltaeglichen Besonderheiten niederzuschreiben.

Die Busse Argentiniens sind wie die Argentinier selber - laut, unpuenktlich und nicht auf Regeln bedacht. Die Busse haben keine bestimmten Zeiten und kommen, wann sie wollen...und dann auch meist rappelvoll. Meine erste Busfahrt alleine passt dazu ganz gut. Ich kam vom Spanisch und hatte einfach ueberhaupt keine Lust, den gesamten Weg wieder zurueck nach Hause zu laufen, so liess ich mir von meiner Spanischlehrerin einfach die Nummer und die ungefaehre Haltestellenadresse geben (die auch so gut wie nie ausgeschildert sind) und ging auf gut Glueck dieses kleine Abenteuer an. So wartete ich kurz und stieg dann in den Bus, den ich fuer den richtigen hielt. Und wartete bis mir eine Strasse auch nur annaehernd bekannt vorkam und stieg aus. Da stand ich also - in der annaehernd bekannten Strasse und wusste nicht weiter. Bekannt war sie mir ja, aber der Weg nach Hause nicht. Also guckte ich ein bisschen verzweifelt in der Gegend rum und sah auf einmal einen meiner Klassenkameraden; fast rannte ich ihm in die Arme und fragte ihn, wie er da so mit seiner Freundin stand, wo ich denn genau wohnte.

Nachdem er fertig gelacht hatte und mir herzlich an den Kopf schmiss, dass ich ja schon ganz schoen daemlich sei, sagte er mir, dass er mich besser begleite, sonst wuerde ich mich doch noch verirren...zwei Minuten spaeter waren wir da. Ich glaube nicht, dass ich erwaehnen muss, dass das dann erstmal DIE Lachstory meiner Klasse war.

Bei diesem Buserlebnis beliess ich es dann auch erstmal fuer eine Weile. Als ich mich dann das naechste Mal traute, stieg ich wieder bei der ersten Stelle aus, von der aus ich zu Fuss nach Hause finden wuerde und lief den Rest - waehrend der gleiche Bus ungefaehr fuenfmal an mir vorbeifuhr und mir dann auch irgendwann klar wurde, dass der genau vor meiner Haustuer haelt.

 

Argentinien ist das Land mit den meisten Feiertagen; die zugegebenermassen aber auch gut genutzt werden. Der Fruehling ("Primavera")  ist hier eine besonders grosse Sache: zwei Tage schulfrei und alle Partywilligen, die auch nur annaehernd mobil sind, pilgern in eine nahegelegene Bergstadt und feiern da den Fruehlingsbeginn. Dort trifft sich dann die gesamte Jugend der zweitgroessten Stadt Argentiniens. Man reist zwei Stunden mit dem Bus an und verbringt dann den ganzen Tag (und natuerlich auch die Nacht) dort. Auf dem Haupttreffpunkt findet man verschiedene aufgebaute Buhnen mit Bands aller moeglichen Musiksparten, die an der Uferpromenade eines riesigen Sees mit Sicht auf die Berge Musik spielen. Zwischen den jeweiligen Buehnen gibt es tausende Freundesgruppen, die sich nicht gestoert durch die tausenden Snackverkaufer stoeren lassen.

Ich wurde eigentlich von meinen Freundinnen eingeladen, mit ihnen zu fahren und auch dort zu uebernachten, was mir im Endeffekt nicht erlaubt wurde, sodass ich mit meiner Gastschwester und ihren Freunden fuhr.

 

In der Schule wird der Fruehling mit der "Semana del Estudiante" (der Woche des Schuelers) gefeiert. Der Abschlussjahrgang organisiert unter allen Klassen Sportspiele wie Volley-, Hand- oder Basketball, aber auch Sachen wie Armdruecken, Tischkicker und eine Art Tennis mit Fuessen. Diese werden dann die gesamte Woche ausgetragen und am Ende werden die Gewinner gekuert. Bei einer riesigen Hitze ist man also fast die gesamte Woche mit spielen, anfeuern oder gemuetlichem Rumsitzen beschaeftigt.

 

Mein Englisch, mit dem ich mich hier ja anfangs verstaendigen wollte, ist fast komplett verschwunden. Zwei Sprachen aufeinmal zu lernen ist anscheinend einfach nicht drin, wobei von lernen im Englischunterricht ja wohl nicht die Rede sein kann. Aber zum Glueck ist das ganz normal und es geht immer allen Austauschschuelern so und in Deutschland muessten meine Kenntnisse eigentlich wiederkehren...hoffentlich.

 

Vor Beginn der Sommerferien waren wir noch mit meiner und der Nebenklasse im campamento. Das bedeutet eigentlich nur, zwei Tage mit der Schule aufs Land zu fahren und dort einfach Spiele spielen (zu muessen :D) und sonst nichts.

Am Morgen fuhren wir von der Schule ab (ausser diejenigen, die die 30 Euro nicht aufbringen konnten) und fuhren zwei Stunden durch Cordoba bis zu den Bergen, in denen uns dann inmitten von Waeldern und Fluessen der Platz erwartete. Unser Gepaeck durften wir dann erstmal bei 30 Grad steil abwaerts durch regenwaldaehnlichen Wals schleppen und endeten (wobei wir unterwegs einen fussballgrossen toten Frosch entdeckten, der die Argentinier aber nur maessig interessierte) in einem grossen Feld mit Versammlungsraeumen und Schlafraeumen und sonst von Wald eingezaeuntes Gelaende mit grossen Grasflaechen und einer freilaufenden Stute mit Fohlen erwartete.

Nachdem wir unsere Sachen ausgepackt hatten, wurde erstmal ein Spiel mit unserer Klasse (dem wirtschaftlichen Zweig) gegen die Parallelklasse (technischer Zweig mit ausschliesslich Jungen) gespielt. Dabei musste ein Seil durch alle Klamotten der Mitglieder der jeweiligen Klasse gezogen werden und wer als erstes fertig war, gewann.

Danach assen wir unser mitgebrachtes Essen und machten uns fertig fuer die Wanderung. Die war natuerlich der Hoehepunkt aller Schueler bei angehenden 40 Grad. Wir wanderten los und schnell waren alle verschwitzt und verfluchten die Lehrer, die ihnen das antaten. Das Gelaende war schoen und als wir dann irgendwann nach einigen Stunden am grossartigen Ziel ankamen, dass sich als Kirche (?!) herausstellte, warfen sich alle Jungen erstmal in den naheliegenden Fluss. Und weil es eben Jungen sind, warfen sie auch einfach alle Maedchen rein. Als wir alle mit deutlich besserer Laune und erfrischt und mit tropfenden Sachen aus dem Fluss stiegen, gingen wir die Kirche angucken und wanderten dann auch schon weniger ermutigt zurueck.

 

 

Den Abend verbrachten wir in den Gesellschaftsraeumen, in denen dann im Stuhlkreis jeder von seinen Zielen erzaehlen sollte und aehnliches. Die letzte Aufgabe bestand dann darin, dass sich insgesamt einzeln fuenf Klassenkameraden in die Mitte setzten und alle anderen der Reihe nach Gutes ueber sie erzaehlen sollten. Abgeschlossen wurde es dann dadurch, dass alle im Kreis weinten und so gut wie alle Sprecher auch. Alle standen auf, jeder sagte, wie toll er diesen Kurs faende (darunter auch ich), alle weinten mehr (wie ihr mich wahrscheinlich kennt, ich nicht) und es wurde zu einer kollektiven Gruppenumarmung. Das Schoene war, dass es einfach keinem peinlich war und alle sich trotz gelegentlicher Streitigkeiten wirklich gern haben.

In der Nacht hatten die begleitenden Lehrer dann die grandiose Idee, Verstecken zu spielen und so spielten wir verstecken und gingen dann alle ins Bett.

Den naechsten Tag fingen wir erneut mit einer Psychogruppenversammlung an, zu der meine Freunde und ich prompt zu spaet kamen, da wir die umliegende Gegend ein bisschen erkundet htten und dann ueber die Flusssteine kraxelnd die Zeit vergessen hatten.

 

Danach durften wir alle nochmal ein bisschen Fussball spielen und schon waren die zwei schoenen Tage mit meiner Klasse vorbei.

 

Am Ende eines Schuljahres werden in jeder Klasse die Schueler mit den besten Noten, den wenigsten Fehltagen und der beste "Kamerad", der mach dem Grad der Beliebt- oder Nettigkeit ausgewaehlt wird. Wobei die besten Noten und wenigsten Fehltage (beide von einem Freund gewonnen) objektiv von der Schule ausgewaehlt werden, waehlen den besten Kamerad die Mitschueler aus - und dieses Jahr wurde ich gewaehlt, was mich sehr gefreut hat.

Am letzten Schultag wurde also eine Zeremonie veranstaltet, in der auf einem kleinen Podium den Klassen nach allen ausgezeichneten Schuelern eine Urkunde ausgestellt wurde. Man bekam von dem Rektor und der Vizerektorin die Hand geschuettelt und die Urkunde ausgreicht und das wars dann auch schon. Wobei meine Mitschueler noch von mir verlangt hatten, dem Rektor das Mikrofon aus der Hand zu reissen und eine Dankesrede anzustimmen...das habe ich dann doch lieber nicht gemacht.

 

Eigentlich ist der letzte Schultag in Argentinien fuer die meisten noch gar nicht der letzte Schultag. Wenn man naemlich in einem Fach den Jahresschnitt der Mindestpunktzahl 6 (Notensystem geht von 1 bis 10), muss man eine Woche nach Schulschluss einen Test ueber den ganzen Stoff schreiben, der in diesem Fach in dem Schuljahr behandelt wurde. Wenn man diesem im Dezember nicht bestand, konnte man die gesamten Ferien mit lernen verbringen, da die Wiederholung dann im Februar anstand. Wenn man diese dann wieder vergeigte, nahm man sich dieses Fach ins naechste Schuljahr mit und musste nach dem Beendigen desjenigen die gleiche Tortur ueber sich ergehen lassen. Und wenn man weniger als vier Punkte hatte, konnte man eh erst im Februar zu dem Test gehen.

Dank meiner aeusserst sympathischen Lehrer, die die Sitation meiner Sprachkenntnisse  ausserordentlich gut erfasst hatten, behandelten sie mich wie alle anderen Schueler und liessen auch mich zwei Faecher im Dezember wiederholen. Zum Glueck bekam ich nicht den ganzen Stoff, da ich bei 60 % ja eh nicht zugegen war. Einfach war es trotzdem nicht und in WIrtschaft stand ich auf der Kippe. In Recht musste ich dann nur das Regierungssystem Argentiniens auswendig lernen, ratterte dieses runter und dann wurden einfach die Standardfragen gestellt, auf die ich schon im Schlaf antworten koennte: "Warum Argemtinien? Vermisst du deine Familie und Freunde" und so weiter.

Jeder Abschlussjahrgang argentinischer Schulen designt sich immer seine eigene Schuluniform, die er dann das gesamte letzte Schuljahr tragen darf. Lange geplant und diskutiert entschieden wir uns fuer grau mit rot und blau. Dazu kam dann noch ein riesengrosser Banner, den man dann zu besonderen Anlaessen in der Schule aufhaengen darf.

Diese Uniform wird den Mitschuelern dann schreiend und tanzend mit dem Banner in der einen Hand und Schaumpartyspray  in der anderen praesentiert, waehrend die anderen Mitschueler im Takt riesige Trommeln schlagen.

Ungefaehr so lief es auch bei uns ab. Alle (ausser mir, da ich von meiner Gastmutter aus nicht durfte..) trafen sich in der Nacht im Haus mit Pool eines Klassenkameradens und verbrachten die Nacht trinkend, lachend, essend und letzte Sachen vorbereitend. Mehr oder weniger wach kamen sie dann zur Schule, in der vier die ersten vier Stunden Zeit hatten, Luftballons aufzublasen, Konfetti herzustelleb und uns die Gesichter zu bemalen.

Danach kamen wir in der Pause schreiend mit dem Banner angerannt und verbreiteten gute Stimmung. Den Banner haengten wir auf die Terasse, sodass alle ihn sehen konnten.

Das ernuechternde Ende war dann das Aufraeumen und dann verbrachten wir die restlichen Stunden des Schultages schlafend im Klassenraum.

Insgesamt ein tolles Erlebnis!

 

Ein anderes Highlight war mein Besuch im Stadion.

Nachdem ich eine Weile brauchte, um das ganze durchzuboxen, bin ich dann im Endeffekt vom Ferienhaus meiner Gastfamilie das erste Mal allein im Bus zurueck nach Cordoba gefahren. Dort traf ich mich dann mit zwei Freunden und ab ging es ins Stadion! Vor dem Stadion trafen wir nochmal einige unser Klassenkameraden, von denen 100% der maennlichen anwesend waren. Die Mannschaft ist relativ klein und normalerweise kommen so um die 4000 Menschen, was sich bei diesem, ligaentscheidenden Spiel dann einfach mal verdoppelt hat! Der Auf- oder Abstieg hing nur von diesem Spiel ab und dementsprechend geladen waren alle Besucher.

Als sich fast alle hauptsaechlich in blau und weiss ( Farben meiner Mannschaft) gekleideten Besucher auf Platzen eingefunden hatten, fing es auch schon an. So gut wie alle Menschen sangen lauthals Lieder begleitet mit verschiedensten Insturmenten, warfen Konfetti und heizten sich gegenseitig auf. Als dann die eigene Mannschaft eintraf, ging alles noch lauter vonstatten und das Publikum wirkte wie eins in ihrem gluehenden Faneifer. Genauso, als dann die gegnerische Mannschaft eintraf; besser, wenn ich die Beleidigungen hier jetzt nicht erwaehne.

Das Spiel war ziemlich spannend. Wir (Racing de Cordoba) mussten das Spiel mit zweiPunkten Vorsprung gewinnen, sonst wuerden wir nicht aufsteigen. Immer lagen wir zwischen einem oder zwei Toren in Fuehrung. Das Spiel endete mit 2:0, aber da damit nur Gleichstand mit der anderen Mannschaft war, da diese das letzte SPiel mit zwei Punkten Vorsprung gewonnen hatte, ging es jetzt im Elfmeterschiessen um den Aufstieg. Als es dann zum jeweils letzten Schuss der beiden Mannschaften kam und bisher beider die gleiche Anzahl von Toren hatten, platzte das Stadion fast vor Emotionen: Das Tor wurde geschossen und wir verloren. Beim Verlassen des Stadions sah man nur wenige Fans meiner Mannschaft, die nicht weinten.

Danach fuhr ich dann im Bus zurueck ins Ferienhaus und kam um 1:30 freudestrahlend an.

Diese ganzen Fussballfanatiker auf einem Haufen zu erleben war echt toll und eine der Sachen, fuer die es sich nach Argentinien zu kommen lohnt. Kein Vergleich zu deutschen Stadien, was mir auch nochmal bewusst wurde, als mich meine Argentinier fragten, warum ich denn nicht so viel mitfiebern wuerde, in Form von schreien oder beschimpfen.

 

Seit 2 Monaten spiele ich auch wieder Handball, welchem ich eine tolle Mannschaft und viele blaue Flecken zu verdanken habe! Zweimal in der Woche trainieren wir und inmal in zwei Wochen haben wir ein Auswaertsspiel oder -turnier. Es macht total viel Spass, auch wenn wir bisher alle Spiele verloren haben :D

 

Die Wichtigkeit von Geburtstagen ist hier in Argentinien aehnlich, aber unterscheidet sich deutlich in der Ausfuehrung: Fuer die Maedchen ist der 15. Geburstag mit der Hochzeit das wichtigste Ereignis ihres Lebens, sie koennen sich zwischen einer Fahrt nach Disneyland in den USA oder einer riesigen Party entscheiden. Oft sparen die Familien jahrelang, um ihren Toechtern das ermoeglichen zu koennen.

Die Feier ist etwas ganz besonderes, es wird ein Salon gemietet (schon ein Jahr vorher, weil die sonst ausgebucht sind) und mehrere Monate an der Planung des Kleides, der Kaertchen, der Torte und allem drum und dran gearbeitet. Es wird an alle mehr oder weniger Bekannten eine kleine Einladungskarte verteilt. Um die 200 Leute kommen dann zum Gebutrstag, an dem dann mit Liste die erschienenen Personen Personen abgehakt werden. Dann wartet man, dass die "Quinceañera" in den Raum kommt. Die wird dann von einem Kamera- und Fototeam begleitet, das alle Momente dieser besonderen Nacht festhalten soll. Begruesst wird sie dann in einer Zeremonie mit Musik- und Lichteffekten von ihren 10 besten Freunden, die alle eine Rose in der Hand halten und ihr dann uebergeben. Danach wird gegessen und dann kommt auch schon der Tanz. In diesem tanzt die Quinceañera einen Walzer mit ihrem Vater, der dann von anderen Verwandten und Freunden abgeloest wird. Darauf folgt DAS Video: Ein professionelles Team hat sich eine Idee ueberlegt und spaeter auch das Material zusammengeschnitten, in denen die Geburtstaghabende mit ihren Freunden etwas macht und alte Kinderfotos chronologisch gezeigt werden. Am Schluss dann die des obligatorischen professionellen Shootings, das mit dem Maedchen gemacht wurde. Dann laeuft der Abend einfach wie eine normale Geburtstagsfeier ab, es wird getanzt, gegessen und geredet. Zwischendurch werden noch kleine accessoires wie zum Beispiel Plastikkrawatten oder -huete oder Armbaender usw..

Geifeiert wird dann bis um 5:30, was fuer argentinische Verhaeltnisse relativ frueh ist, da ich nach einer Partynacht meist so um sieben Uhr morgens zu Hause bin.

Fuer die Jungen sind die achtzehnten Geburtstge die wichtigsten, die dann aber genauso wie in Deutschland zelebriert werden.

 

Ein grosses Tabuthema hier in Argentinien sind die Falklandsinseln (darueber muesste man eigentlich bescheid wissen). Der Hass auf die Englaender ist riesig und wenn man auch nur anzweifelt, dass sie zu Argentinien gehoeren, wird man entweder umgebracht, zu Tode diskutiert oder einen Tag lang ignoriert (Ja, ich rede aus Erfahrung). Hier gibt es sogar diverse Feiertage, an denen dann alle Kinder Referate dazu ausarbeiten muessen und Vortraege vor der Schule gehalten werden.

 

Auch ist es in Argentinien ganz normal, dass einfach fuer eine Zeit Stromausfall herrscht. Das erste Mal habe ich schon ganz schoen verdutzt geschaut :D

 

Meine Wochenenden habe ich eine lange Zeit immer im Ferienhaus in Carlos Paz (einem zwei Stunden entferntem Bergdorf) verbracht. Dort gibt es eine wunderschoene Berglandschaft und einen Fluss, indem man im bis zu einem Meter tiefen Wasser "schwimmen" kann. Da haben wir dann, da es meistens geregnet hat, so gut wie ganzen Tag lesend, essend oder Fernsehen guckend im Haus verbracht. Es war halt immer schade, wenn ich meine Freunde nicht bei Aktivitaeten begleiten konnte. Dafuer habe ich mich dann immer ziemlich gut mit meiner Gastschwester verstanden, wenn wir zu zweit spazieren gegangen sind.

 

Ostern wird hier eigentlich gar nicht gefeiert, ausser, dass man zwei Tage lang kein Fleisch ist...das das aber fuer Argentinier fast unmoeglich ist, isst man dann eben zwei Tage lang nur weisses Fleisch wie Gefluegel oder Fisch.

 

Eine allseits beliebte Theorie ist hier auch, dass Hitler nicht in Deutschland Selbstmord begangen habe, sondern spaeter nach Argentinien gegangen sei, dort gelebt habe (er soll sogar Urahne der heutigen Praesidentin sein) und dann in Paraguay gestorben sei. Es gibt diverse Dokumentationen, die davon "berichten" und in jedem beliebigen Buchladen findet man mindestens zwei Buecher dieser Theorie.

 

Das letzte Treffen mit den Austauschschuelern fand auch schon statt: Wir sind in den hoechsten Bergen in und um Cordoba um die sechs Stunden gewander und haben nochmal alles Wichtige fuer den Rueckflug besprochen.

Im Moment plant meine Klasse die Abschlussfahrt nach Bariloche (ganz im Sueden mit Gletschern), die alle Abschlussklassen jedes Jahr machen. Das erklaert dann auch den stoolzen Preis von 2000 Euro. Doch eigentlich endet das Jahr mit der "Cena egresada", die dem Abiball hier aehnelt und fuer die sich alle Maedchen Kleider schneidern lassen und dann mit einem Klassenkameraden gehen. Schade, dass ich nicht daran teilnehmen kann, aber mir wurde schon fleissig versprochen, dass ich ganz viele Bilder bekomme!

 

Schlimm hier in Argentinien ist der Diebstahl: Die "negros" ( Uebersetzung waere Schwarzen, aber eigentlich ist dabei so etwas wie die Asozialen gemeint) kommen auf einem Motorrad oder Roller, zwingen dich oft mit einer Waffe, ihm deine Wertsachen zu geben und faehrt dann wieder weg. Ich kenne niemanden, dem das hier noch nicht passiert ist es gehoert mittlerweile sogar fast zum Strassenbild. Die Polizei wird nicht eingeschaltet, da die eben auch so gut wie keine Chance haben, die Diebe zu finden. Da hilft eigentlch nur, moeglichst nicht alleine nachts auf die Strasse gehen und keine Wertsachen mit sich fuehren, auch wenn es am Tag genauso passieren kann.

 

Das Schlimmste kommt jedoch zum Schluss. Es gibt hier viele Sachen, fuer die Deutschland bekannt ist, wie Kinderschokolade oder Faber Castell oder sogar Hitler. Aber Hitler ist noch nicht das Schlimmste, schlimmer wird es, wenn die erste Sache, auf die man angesprochen wird, Tokio Hotel ist. Die Lieder sind bekannt, die Texte verstanden. Selbst wenn Hitler irgendwann aus den Gedaechtnissen verbannt wird, diese schwarze Vergangenheit Deutschlands wird wohl nie vergessen werden.

 

Ich hoffe, euch gefaellt dieser Blogeintrag, denn es wird wohl der letzte sein. Probleme hat er mir schon bereitet, zwischendurch musste ich sogar fuer die Uebersetzung eines spanischen Wortes, was mir im Kopf rumtrieb, den Googleuebersetzer benutzen, da mir partout nicht die deutsche Uebersetzung einfallen wollte.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Urlaub (...auch von Blogeintraegen)

28März2015

So, nachdem ich schoene eineinhalb Monate im Urlaub verbracht hab, kam der Uraub vom Blogschreiben auch gleich mit dazu. Nicht, weil ich es mir vorgenommen hatte, sondern weil es sich so ergeben hat. Naja, irgendwann wurden dann auch meine inneren Schweinehunde (von meinen Eltern) ueberwunden und hier sitze ich nun und gedenke nicht, mich hier wegzubewegen, bis ich diesen Blogeintrag beendet habe. Naja, wenn ich es mir recht ueberlege, habe ich eigentlich nur Zeit bis zum Geburtstag heute Abend, aber 8 Stunden muessten doch auch genuegen.

Der Urlaub fing mit einem der zahlreichen Gewitter in Cordoba an, welches die Hitze vertrieb, worum es aber eindeutig nicht schade war. Ein letzter Besuch von meiner Freundin am Tag der Abreise und dann ging es nach etlichen mit Kofferpacken verbrachten Stunden auch los.

 

Die Fahrt durch die Pampa Argentiniens (Cordoba, Santa Fe, Buenos Aires) war relativ ereignislos. Ausser, dass nach etwa fuenf Minuten eine Taube an der Frontscheibe klebte, passierte nichts weiter Interessantes. Entweder wurde die Landschaft angeguckt (nach fuenf Minuten kam auch nichts Neues mehr), oder gelesen oder geschlafen. Etwa nach der Haelfte von den 20 Stunden machten wir eine Essenspause und fruehstueckten am Strasssenrand des Bundeslandes Buenos Aires selbstgemachte Sandwiches in gluehender Hitze.

Am fruehen Abend kamen wir in Villa Gesell, Mar Azul an und mussten erstmal das Haus von allem Moeglichen befreit werden, angefangen bei Spinnen und Staub, bis zu Riesenschnecken, die es mir besonders angetan hatten. Das Haus gehoert alleine meiner Gastfamilie und die kommt seit 16 Jahren jeden Sommer hierher. Es liegt in einem Ort in einem Kieferwald mit einer kleinen Geschaeftszeile und 10 Minuten zu Fuss vom Strand entfernt. Da es  weiter im Sueden liegt als Cordoba, ist es auch nicht ganz so heiss mit den um die 30 Grad schwankenden Temperaturen.

Nachdem das Haus einigermassen gesaeubert worden war, machten meine Gastschwester Anto und ich uns auf zum Strand. Vorbei an kleinen gepflegten Haeusern und Pferdeverleihstaenden (!) inmitten von riesigen Kiefern rannten wir fast die 5 Bloecke zum Strand, um mitten im Sonnenuntergang anzukommen und erstmal innezuhalten und den Blick zu geniessen.

Wie ihr mich kennt und nachdem ich um die 5 Monate  kein Pferd mehr beruehrt hatte, reizten mich die Pferdeverleihstaende natuerlich am meisten und verfuehrten mich gleich am naechsten Morgen dazu, mein Geld dafuer auszugeben. Auf gewoehnungsbeduerftigem Zubehoer (ein paar Pads und einer Trense mit achtmeterlangem Kandarengebiss) ging es dann als gefuehrter Ausritt durch den Wald und dann natuerlich (der Traum eines jeden Pferdemaedchens) an den Strand. Da es mit Ende Dezember noch relativ in der Saison war, sassen nur wenige Leute am Strand und wir konnten ungehindert galoppieren. Nach einem kleinen Sliding Stop hatte dann auch mein Schimmel Juan Spass und mein 9jaehriger Fuehrer auf seinem Pony und ich veranstalteten ein kleines Wettrennen. 

 

Die durchschnittlichen Tage verliefen eigentlich immer so ab: Wir standen so gegen 10 auf, fuhren samt Liegestuhl und Sonnenschirm zum Strand, blieben dort bis zur Mittagszeit, brachen wieder auf nach Hause, dort assen wir, schliefen Siesta und dann ging es auch schon wieder zum Strand. Anto un dich standend immer in Strandklamotten auf der Ladeflaeche des Pickups.

Am Anfang waren noch der Neffe und seine Freundin und der andere Neffe meines Gastvaters mit seiner Familie da und wir sahen uns jeden Tag am Strand. Am Abend traf man sich oft, um Karten zu spielen oder auch einfach nur, um zusammen zu essen. 

Dieses Jahr gab es aussergewoehnlich viele Regentage und Stuerme, bei denen innerhalb von Minuten die Straende wie leergefegt waren. Diese Tage wurden dann, wenn man durchnaesst vom Strand kam, zitternd im Haus ohne Heizung und manchmal auch ohne heisses Wasser verbracht.

Das erste "Event" war Sylvester. Am Abend traf sich die gesamte Familie (Neffe mit seiner Freundin und wir 4 (mein Gastbrder war noch nicht mit uns da)) und wir assen gemeinsam asado und einen rieesigen Obstsalat, wie an Weihnachten auch. Um kurz vor 12 sind wir dann voller Eile zum Strand aufgebrochen und auf der Ladeflaeche des Pickups  stehend und allen "Frohes Neues" zuschreiend sind dann meine Gastschwester und ich zum Strand gefahren. Dort standen schon an mehreren Punkten vertelt Gruppen von Personen und bestaunten das Feuerwerk der naechsten Stadt. Etwas spaeter wurden dann auch ein paar kleine Boeller angezuendet (natuerlich kein Vergleich zu Tjark), aber auch nicht besonders viele, weil die hier in Argentinien relativ teuer sind. Wir zum Beispiel haben keinen einzigen Boeller gezuendet.

Nach etwa einer Stunde wurden die Erwachsenen auch muede und gingen. Ich blieb mit meiner Gastschwester noch etwas um ein bisschen am Wasser entlangzuschlendern. Da haben wir uns dann erstmal schoen gestritten, weil wir uns nicht einigen konnten, in welche Richtung wir gingen. Das hatte sich schon den vorigen Tagen ein bisschen aufgebaut (relativ klar, wenn man sich ein Zimmer teilt) und da hat es sich dann einfach entladen. Was aber fuer den Uraub auch eindeutig nicht das letzte Mal sein sollte.

 

Mit weiterlaufender Zeit kamen Schwester und Ehemann meines Gastvaters an, die Neffen gingen, andere kamen und wir blieben. Der gesamte Urlaub war wie ein riesiges Familientreffen und man kannte immer jemanden am Strand. Oft sassen wir da mit dem obligatorischen Mate bis zum Sonnenuntergang.

   

Irgendwann kam dann auch mein Gastbruder (Frueher, als er eigentlich wollte, weil er sich den Fuss verstaucht hatte und so alleine im Haus in Cordoba relativ hilflos war), spaeter dann vier seiner Freunde und bezogen den 1. Stock, der wie eine zweite Wohnung im Haus war und sonst auch vermietet wurde. Die blieben 10 Tage und verbrachten die Naechte in Discos und die Tage schlafend, manchmal kamen sie sogar verkatert zum Strand. Mit ihnen verbrachten meine Gastschwester und ich eine Party- und eine Pokernacht. In der Pokernacht setzte jeder 20 Pesos (um die 2 Euro) und ich sollte als einziges Maedchen, da Anto nicht wollte, ganz einfach geschlagen werden. Waehrend die fuenf Jungen sich immer mehr betrunken und ich am Regeln lernen war, fing ich an, mehr auf Risiko zu spielen und am Ende lag ich vorne und hatte einen guten Batzen Geld. Gabriel, mein Gastbruder, wollte das nicht einsehen und setzte immer mehr Geld..und verlor. Am Ende hatte ich keine Lust mehr und setzte all mein Geld im letzten Spiel und ohne die Karten anzugucken setzte ich...und gewann mit einem Full House das gesamte Geld aller!  Nachdem wir das erstmal eine halbe Stunde gefeiert wurde und mir viel Schulterklopfen einbrachte, beschlossen wir, zum Strand zu gehen und den Sonnenaufgang anzucken. Betrunken wie sie waren, beschlossen dann die Jungen, nacktzubaden und fuer 10 Pesos einen gestrandeten Fisch zu essen. Alles in allem eine super Erfahrung mit den Dummkoepfen :D

Fischen waren wir auch einmal mit den Jungen; erst mit einem riesigen Netz schwimmend im eiskalten Wasser...mit dem Ergebnis von ganzen 5 Fischen; das andere Mal gingen wir mit riesigen Senkennetzen an Stoecken zu einem Steg, bezahlten fuers Eintreten und fischten bei Vollmond winzige argentinische Fische. Den einen Stock liessen wir nach 5 min direkt ins Wasser fallen, was Gabriel natuerlich nicht auf sich sitzen lassen konnte und zog somit sein Tshirt aus und sprang ins Wasser, mitten in der Nacht, 5 Grad, tausende Angeln und er mittendrin. Dort blieb liess sich von den starken Wellen an alles moegliche draengen und ging fast drauf. Nach einer halben Stunde und vielen Schrammen spater stieg er aus, natuerlich ohne das Netz.

Danach wurde ein grosses Fischessen mit der gesamten Familie veranstaltet.

Ihr muesst wissen, in Villa Gesell gibt es die groesste Disco ganz Suedamerikas. Die mussten wir natuerlich auch kennenlernen, also ging es dorthin, ohne Ausweis mit 16 und 15 Jahren. Beim ersten Mal bezahlten wir und sie liessen uns so durch. Die ganze Disco hat 5 Pisten mit verschiedener Musik, zum Beispiel Elektro, Charts und typische argentinische Musik ("Cumbia"). Ein Teil ist draussen und als man dann um 6 immer noch weitertanzte, sah man die Sonne aufgehen. 

Ein anderes Mal  wollten meine Gastschwester und ich nochmal eintreten und standen brav eine Stunde an, um den Eintritt gratis zu bekommen. Wir ueberlegten uns ein Szenerio, in dem ich mit meinem besten Akzent sagte, dass wir Deutsche seien und deswegen keine Ausweise haben wuerden. Naja, gebracht hat es nichts. Also standen wir uns aufregend draussen, bis zufaellig ein anderer Mitarbeiter uns hoerte und mich fragte, ob ich wirklich Deutsche sei. Natuerlich antwortete ich mit Ja und so sagte er uns, wir sollten sagen, wir zwei seien Deutsche und 20 Jahre alt. Also ging er zu seinem Kollegen, sagte ihm genau das und schon waren wir drin!

 

Anto und ich haben uns auch mit einem Maedchen aus dem Ort angefreundet, was uns dann auch zwei schoene Lagerfeuernaechte am Strand mit einer Gruppe von 18- bis 20-jaehrigen Jungen verschaffte.

 

Ein beliebter Strandsport war auch das Surfen...aber nicht im Wasser, wie man vielleicht denken koennte, sondern im Sand! Sauschwer, aber total interessant! Man surft mit einem Board den glatten Sand einer Duene hinunter und im besten Fall faellt man nur einmal auf die Schnauze!

Manchmal sind wir auch den langen Fussmarsch zum naechsten Oertchen gegangen und haben da den kleinen Hippiemarkt, Clowns in einem Amphitheater oder die beruehmt-beruechtigte "La Pinocha" angeguckt. In "La Pinocha" gab es alles, was man im Leben benoetigt..Schokolade! Bis zur Decke stapelten sich die verschiedensten hausgemachten Sorten, von Erdnussbutter-Schokoladencreme bis Rum-Rosinen gab es alles, was das Herz begehrte. Dementsprechend machten wir uns natuerlich begeistert und freiwillig auf die langen Fussmaersche.

 

Der Lieblingsplatz von uns allen war natuerlich die Haengematte; man musste schnell, ausdauernd und listig sein, um den Platz in dieser zu ergattern. Von dort aus konnte man ungestoert das Strassengeschehen beobachten, was hauptsaechlich aus gefuerhrten Ausritten bestand und am Abend aus der taeglichen Pferdetreibung, wenn die "Gauchos" johlend auf ihren Pferden die restlichen 100 Pferde von ihren taeglichen Ruheplaetzen zur Nachtlagerstaette trieben, direkt am Haus vorbei!

Einmal sind wir zu einem riesigen Park gefahren, in dem es diverse Tiere zu sehen gab, wobei die groessten Attraktionen die Delfine und Orkas waren. Ich glaube, das war der heisseste Tag in meinem Leben, gelohnt hat es sich trotzdem.

 

Ein besonders schoenes Erlebnis war ein Konzert. Wir sind spontan zum Konzert einer argentinischen Band ("Nene Malo") gefahren, die in der Naehe am Strand umsonst ein Konzert gab. Ihre Lieder hoert man ueberall in den Discos und sind Vertreter der typischen argentinischen Musik "Cuarteto". Wer sich mal eine Kostprobe goennen will, kann einfach bei Youtube "Bailan Rochas y Chetas - Nene Malo" anklicken.

 

Zwei weitere Male habe ich mir noch ein Pferd ausgeliehen, einmal alleine und bin mit einem tollen Pferd alleine am Strand entlang galoppiert und einmal mit Anto, im Schritt entlangtrottend im Wald und zwei Sekunden am Strand. Ich freu mich schon auf meinen Skova!

Wie ihr mich kennt, KONNTE ich es mir natuerlich nicht entgehen lassen, freiwillig um 5 Uhr morgens aufzustehen, um den Sonnenaufgang anzugucken. Also sind dann auch ein Mal im Schlafanzug zum Strand gestiefelt. Naja, die Aussicht war es immerhin wert.

Meine kreative Ader wurde nauerlich auch ausgelebt:

 

Der Urlaub schloss mit der 20-stuendigen Fahrt mit fuenf Personen in einem Fuenfpersonenauto. Es gibt eindeutig schoenere Arten, zu reisen. Besonders, wenn sich die Gastfamilie aufgrund fehlender Papiere nochmal schnell mit ein paar Polizisten anlegt!

Insgesamt war es eine tolle Erfahrung und kennengelernt habe ich einen weiteren Teil und eine weitere Lebensart von Argentinien, zwar habe ich meine Freunde aus Cordoba ganz schoen vermisst, aber daran kann ich mich ja schonmal gewoehnen! Wir sehen uns in SIEBEN Wochen!

Und der naechste Blogeintrag ist auch nicht mehr fern..

Weihnachten in Argentinien - Tausende Kilometer und Traditionen entfernt

26Dez2014

Die Vorbereitung auf den oftmals gefuerchteten und herbeigewuenschten Abend am Ende des Jahres lief nur halb so hektisch ab, wie man es aus Deutschland kennt. Die Geschenke haben hier eine ganz andere Dimension, Weihnachten hat hier WIRKLICH den Zweck, mit seinen Liebsten zusammen zu sein und wird nicht nur als Aushaengeschild fuer eine Geschenkeschlacht wie oft in Deutschland benutzt.

So lassen es die Argentinier (wie eigentlich immer) ganz gemuetlich angehen, ohne Adventskranz, Adventskalender oder sonstiges Pipapo. Zugestanden wurde bei meiner Familie gerademal ein Minitannenbaum aus Plastik (was natuerlich durch das superduper Blinken wieder wettgemacht wird..) und ein paar buntgedruckte Bibelzitate.

 

Zwei (oder auch nur einen) Tage vor Weihnachten stroemen sie also alle in die Stadt, um in der Hitze Geschenke zu kaufen. Hier beschenken sich eigentlich nur die Familienmitglieder und auch das nur in geringem Wert.

So machte ich mich also auch auf den Weg, um in letzter Minute Geschenke zu kaufen (ohne Vorhandensein irgendwelcher Ideen). Wie immer wollte ich dafuer Geld in einer der zahlreichen Banken der Innenstadt der zweitgroessten Stadt Argentiniens abheben..vor denen jeweils 20 Meter lange Schlangen warteten. Nun gut, dann wartet man eben mal ne halbe Stunde auf sein Geld (bei wunderschoenen 32 Grad ist das ja noch ertraeglich). Naja, im Endeffekt eigentlich nur, um zu erfahren, dass die Automaten kein Geld mehr vorraetig hatten. Gut, es gibt ja noch andere Banken..die naechste hatte auch kein Geld mehr und so landete ich wieder in einer Schlange, diesmal laenger, sodass ich 45 Minuten lang das Vergnuegen hatte zu warten..auch nur, um herauszufinden, dass der Automat meine Karte nicht annimmt. Nach einer Stunde Warten in der naechsten Filiale mit dem gleichen Ergebnis fuhr ich dann wutentbrannt nach Hause (mit Zwischenstopp in der Bank meines Barrios, die erst in 30 min wieder Geld haben sollte).

Den Abend verbrachte ich also mit meinen Gastgeschwistern im riesigen Supermarkt, um dort gemeinsam mit 565675 anderen Menschen noch schnell Geschenke zu kaufen.

Mein Gastbruder und ich haben eigentlich immer recht viel Spass im Supermarkt, oft verwandeln sich seine 18 Jahre einfach in 5 und er faengt an, den Einkaufswagen als Auto und Baelle als prima Idee zum Umherwerfen zu betrachten. Als es uns dann irgendwann genug wurde, hat er  die Sachen weggelegt..allerdings an den falschen Platz. Meinem deutschen Ordnungsinstinkt folgend habe ich sie dann an ihren richtigen Platz gebracht, was ihn zu dem Satz veranlasste: "Deswegen gibt es also immer Geld in den Banken von Deutschland..die Personen sind einfach so". Dieser Witz wird jetzt bei allen moeglichen Angelegenheiten allen moeglichen Persoenlichkeiten erzaehlt.

 

Am Morgen des 24. standen wir fuer uns ziemlich frueh gegen 9:30 auf mussten Obstsalat machen. Waehrend das Haehnchen fuer abends im Ofen brutzelte, assen wir einfaches Fleisch und Salat vom Vortag, was sogleich zum Streit fuehrte, ich habe mich also ganz wie Zuhause gefuehlt. Der Rest des Tages verlief ziemlich stressfrei ab, entweder wurden Geschenke eingepackt oder Siesta gemacht.

Am Abend machten wir uns dann mehr oder weniger fein und fuhren los zum Patenonkel, seiner Familie meines Gastbruders und dem Bruder meines Gastvaters.

Im Haus des Patenonkels angekommen haben wir dann erstnal die Tiere wie Kuehe, Truthaehne, Huehner und eine seehr aggressive Sau mit ihren Ferkeln begutachtet. Danach wurden mit den 12- und 7-jaehrigen Kindern Boeller angezuendet, bis es Essen gab.

Das Essen bestand aus Kartoffeln, Kartoffelsalat, Haehnchen und einem der Ferkelbrueder, die ganz aus dem Asadogrill geholt wurde und samt Kopf stolz praesentiert wurde. Gegessen wurde, bis nichts, aber auch gar nichts reinpasste und selbst der leckere Nachtisch bestehend aus Tiramisu, Torte und Eis nicht mehr reinwollte.

Anschliessend wurde der selbstgebaute Ballon ausprobiert..nach einer Stunde Ausprobieren der verschiedensten Methoden wurde er schliesslich aufgegeben und verbrannt.

Dann wurden die Kinder, von denen 4/5 nicht mehr an "Papa Noel" glaubten rausgescheucht, und wir wurden wildhupend von meinem Gastbruder im Auto rumgefahren, haben von weitem das grosse Feuerwerk der Innenstadt betrachtet und sind dann zurueckgekommen in die Stube, in der die Geschenke unter einem weiteren blinkenden Minitannenbaum aufgebahrt waren. Das ist meine Ausbeute:

Die restliche Zeit (es blieben immerhin noch 5 stattliche Stunden, es war ja schliesslich "erst" 12..) wurde einfach nur geredet und die Geschenke ausprobiert.

Der erste Weihnachtstag (der zweite existiert hier gar nicht) wurde vegetierend im Bett verbracht, bis um 2 Uhr Tante und Cousin meiner Gastmutter kamen und wir die nachste Zeit wieder essend verbracht haben.

Als sie dann gerade aufbrachen kam meine Freundin, um mir eine Karte vorbeizubringen, ueber die ich mich sehr gefreut habe!

Der restliche Tag wurde dann gemuetlich mehr oder weniger zusammen im Wohnzimmer oder den jeweiligen Zimmern verbracht (bei gefuehlten 40 Grad in meinem Zimmer habe ich mich dann doch lieber der Klimaanlage im Wohnzimmer angeschlossen) und "Pan dulce"- Suesses Brot gegessen, was hier typisch fuer die Weihnachtszeit ist.

 

Insgesamt war es interessant, Weihnachten in einem anderen Land zu erleben, aber dadurch habe ich deutlich mein Weihnachten in Deutschland zu schaetzen gelernt. Und damit meine ich nicht die Geschenke, die mir ueberhaupt nichts ausgemacht haben, sondern das Zusammensein mit meiner bescheuerten aber liebenswerten Grossfamilie! Ich liebe euch und freue mich, naechstes Jahr wieder dabei zu sein!

 

 

 

 

 

 

 

Puerto Madryn - Pinguine, Wale...und viel mehr auch nicht.

29Nov2014

Lange lange habe ich mich nicht mehr gemeldet. Doch wie heisst es in den Vorbereitungsbroschueren fuer Auslandsjahre doch immer so schoen? "Keine Nachrichten sind gute Nachrichten". Mir geht es hier wunderbar!

Ich schreibe diesen Blog, um Familie und Freunde ueber mein Jahr in einem anderen Land zu informieren, aber es ist durchaus keine Pflicht. Wenn es mal keine Eintraege gibt, ist das auch so. Ich habe mir jetzt vorgenommen, haeufiger zu schreiben, weil es mir Spass macht und spaeter auch zum Erinnern interessant ist, aber auch dieser Vorsatz wird durch unserem Sommerurlaub unterbrochen, den wir 40 Tage in einem Haus (ich glaube, eher Huette) am Strand verbringen werden - gaenzlich ohne Internet. Find ich jetzt nicht sonderlich tragisch und eine schoene Erfahrung.

Doch jetzt hole ich erstmal mit den letzten Neuigkeiten auf: Der Reise in den Sueden (nicht ganz so weit Sueden, Gletscher waren eindeutig noch nicht zu sehen) nach Puerto Madryn. Eine relativ grosser Halbinsel an der suedoestlichen Kueste Argentiniens.

Die Fahrt dauerte lang. Um die 30 Stunden fuhren wir Argentinien abwaerts, wobei die Landschaft immer uninteressanter wurde. Anfaenglich gab es noch gelegentlich stimmungsvolle Ausblicke auf typische Rinderherden und einsame Huetten der Graslandschaft im Sonnenuntergang, bis wir nach einer mehr oder weniger durchschlafenen Nacht nur noch unendlich weite Buschlandschaft sahen, ab und zu vielleicht von einem der typischen Lamas des Suedens unterbrochen.

Lange hat es dann auch nicht mehr gedauert, bis wir das erste Mal argentinische Kueste bewundern durften. So viel besonderes laesst sich darueber jetzt nicht berichten: Kurz bevor wir die Stadt Puerto Madryn errreichten, wurde ein Stopp gemacht, von dem aus wir das Meer und die Stadt bewundern konnten.

Das Wetter war erstaunlich ertraeglich, waehrend in Cordoba die erste richtige Hitzewelle angekuendigt war und die Stadt mit um die 35 Grad lahmgelegt wurde.

Nach dem kurzen Stopp wurde (wie immer auf den Reisen) argentinientypisch Milanesa (duenner Fleischlappen mit pappiger Panade und beliebig Salat, Brot oder Kartoffelbrei als Beilage) gegessen. Als wenn es uns bis dahin nicht schon aus dem Hals hing. Frisch gestaerkt ging es dann das Hotel beziehen. Dreier- und Viererzimmer (ich mit Chalotte und Marlene) wurden besetzt und uns blieben zwei Stunden Zeit zum Fertig- und Frischmachen.

So nett, wie ich halt bin, habe ich meine zwei Zimmergefaehrtinnen vor mir duschen lassen...was sich deutlich als Fehler herausstellte. Als ich in die Dusche trat, um 30 Stunden Busfahrt von mir abzuwaschen, kam erstmal nur kaltes Wasser. Gut, nichts besonderes, wenn man sich in Argentinien befindet. Mit eingeseiftem Kopf und Koerper sollte der spaerliche Tropfen, der aus der Dusche floss, ein wenig vergroessert wurde..und es kam gar nichts mehr. Super. Hin- und herueberlegt, Zimmerkameradinnen hinzugerufen und im Endeffekt blieb genau eine Moeglichkeit: Nur mit Handtuch bekleidet durchs halbe Hotel stiefeln, um im Zimmer von Freunden zu duschen, die sich in dem Moment mit 10 Jungen und Maedchen in diesem Zimmer befanden. Und von der Putzfrau ausgelacht zu werden, hat es natuerlich deutlich besser gemacht.

Im Anschluss wurde eine kleine Stadtrundfahrt veranstaltet. Im Bus. Wie die Oldies wurden mit plappernder Stimme im Ohr durch die Stadt kutschiert, wobei das einzig Interessante war, Schlaffotos vom Rest der Truppe zu machen.

Nach zwei Stunden des Langweilens und Bereuen, Unterhaltungsmedien im Hotel hinterlassen zu haben, wurde ein Stopp auf einer kleinen Uebersichtsplattform gemacht, die einen schoenen Ausblick hatte und wir durften die naechsten 10 Minuten sogar eigenstaendig laufen und haben die restliche Zeit genutzt, zugegebenermassen interessante Gruppenbilder zu machen.

Das wars auch eigentlich fast fuer den Tag, nach dem Abendessen sind wir noch kurz zum 10  Minuten entfernt liegenden Strand gegangen, was ziemlich nett war. Die naechsten Tage war das leider nicht mehr moeglich, weil sich einige andere Austauschschueler ziemlich daneben benommen haben. Danke nochmal.

 

Der naechste Tag fing frueh an und die ersten 2 Stunden wurden wieder, wie so viele, im Bus verbracht. Diesmal waren wir jedoch geruestet und das durchgehende Gelaber stoerte geringfuegig, besonders wenn das Ziel der Reise im Whalewatching bestand! Kurz vor unserer Ankunft stiegen wir noch kurz in einem kleinen Walmuseum ab, informierten uns, kauften Karten und hatten Aussicht auf kilometerweites Nichts.

Angekommen sahen wir ein kleines Touristendorf mit kleinem Strand und riesiger Bucht. Wir durften erst ein bisschen den Strand erkunden und dann ging es auch mit riesigen Taucherwesten ausgeruestet in ein um die 12 Meter grosses Boot. Es gab einen Platz am Bug (Vorderteil, Papa, du kannst stolz auf mich sein! ...ok, ich habs gegoogelt :D) des Schiffes, auf dem jeweils wechselnde 10 Leute Platz hatten und dann ging es eine  kurze Aussentreppe nach unten in den Innenteil (ohne Ueberdachung) des Schiffes, von dem man auch mehr oder weniger gut sehen konnte.

Ich verbrachte den ersten Teil auf diesem erhoehten Bug und nach 15 Minuten entspannter Fahrt im frischen Wind, sahen wir den ersten Wal von weitem. Das Schiff naehere sich mit leiser gestelltem Motor und wir sahen den Mutterwal lustig mit seinem Baby rumplantschen und Luft ausstossen. Irgendwann hielt das Boot und wir konnten die Wale die naechsten Minuten aus naechster Naehe bestaunen. Das Beste ueberhaupt war, als sie bis auf 5 Meter an uns herankamen und wir teilweise Spritzer abbekamen. Ein ueberragendes Gefuehl, diese riesigen Tiere so betrachten zu duerfen und diese Koerper immer wieder aus dem Wasser auftauchen zu sehen.

Wir sahen noch um die fuenf weitere Tiere in den naechsten zwei Stunden, darunter ein weisser Wal.

Danach fuhren wir zurueck zum Hotel und der Rest des Tages konnte in Freizeit verbracht werden (..im Hotel..).

Am letzten Tag ging es die naechsten drei Stunden zum naechsten Hauptpunk dieser Reise - den Pinguinen! Nach kurzem Geplaenkel in einem Museum gingen wir eine abgesteckte Strecke zum Wasser entlang. Diese 2 Stunden Gehen wurden von hunderten von Pinguinen begleitet. Der Eg war locker abgegrenzt mit Leinen und daneben waren, so weit man blicken konnte, Buesche und Pinguine zu sehen. Diese befanden sich gerade in der Brutzeit und man konnte leicht unter Bueschen hervorblitzende Eier entdecken.

Als auch dieser Tag endete (und der Abend im Hotel verbracht wurde), war die Reise so gut wie vorbei. Der naechste Tag begann mit dem Packen der Koffer, wurde von einem letzten kurzen Besuch am Strand begleitet und endete im Bus, in dem wir dann in das unertraeglich heisse Cordoba fuhren.

 

Wie ihr vielleicht gemerkt habt, wurde der Rest etwas knapper. Es ist naemlich Wochenende und da gibt es meist fuer mich so gut wie keine freie Minute, wie ihr im demnaechst folgenden Blogeintrag erfahren werdet.

Da mein Laptop leider sich nicht mehr aufladen laesst, muss ich mit dem Hauscomputer (und seiner Tastatur) Vorlieb nehmen, weshalb sich in diesem Text kein ae, oe, ue oder ss befinden :D

  Whalewatching

 

Iguazu!

17Sept2014

In den letzten Tagen stand die Reise in das Aushängeschild Argentiniens - die Iguazu-Wasserfälle - an!

 

Die Reise begann mit einer 25 Stunden langen Fahrt durch Argentinien, 1600 km konnte man argentinische Pampa bewundern. Diese wurde in einem bequemen Doppeldeckerbus bestritten, der locker deutschen Standards standhalten kann.

Über die Fahrt lässt sich eigentlich nur sagen: Wenn sie schon nicht erholsam war, dann wenigstens auszuhalten.

Als das Ziel immer näher rückte, die Erde röter und alles grüner wurde und alle 30 Austauschschüler erleichtert aufatmeten, weil die Reise bald ein Ende haben sollte, hielt der Bus und wir wurden gemeinschaftlich und mehr oder weniger ansehnlich mit Vogelnesthaaren und bequemsten Klamotten in den 30 Grad heißen Nordosten Argentiniens entlassen.

Dort sollten wir dann eine Mine angucken, in der früher Edelsteine abgebaut wurden. Während uns der Schweiß von unseren Gesichtern rann, hörten wir mehr oder weniger den Erläuterungen des Führers zu und sehnten uns in den klimatisierten Bus zurück. Die in den Minen eingebauten Steine wurden pflichtbewusst bewundert, Fotos  gemacht und nach zwei Stunden stand das Ende auch schon kurz bevor.

Zusammen mit ein paar anderen Mädchen stand ich im Souvenirshop und sah mir ein paar Ringe interessiert an...anscheinend zu interessiert. Gleich darauf wurde ich von einer nicht sehr freundlich dreinblickenden Mitarbeiterin auf Spanisch ermahnt, auch ja keinen mitgehen zu lassen. Na danke auch.

Das kollektive erleichterte Ausatmen war deutlich spürbar, als wir dann endlich den Bus wieder betreten durften.

Nach einer kurzen Fahrt im Bus ging es dann auch endlich gegen 14 Uhr ins Hotel. Das Hotel bestand aus mehreren Gebäudekomplexen (Essensbereich, Rezeption), mehreren Häusern die jeweils ein "Zimmer" enthielten und zwei Pools.

Mit drei anderen Mädchen (Charlotte, Marlene und Katharina) hatte ich ein nettes Haus mit Küche, Badezimmer und zwei Schlafzimmer. Nett begrüßt wurden wir auch von einem riesigen Tausendfüßler, dessen Verwandten uns netterweise immer wieder beehrten...mitten im Schlafzimmer.

Den Rest des Tages ließen wir entspannt ausklingen, fläzten am Pool und gingen anschließend das Abendbuffet plündern. Das bestand aus allerlei argentinischen Köstlichkeiten, die mal mehr, mal weniger lecker waren. Fleisch, das sich später als Zunge herausstellt, hat es mir zum Beispiel nicht so angetan.

 

Der nächste Tag fing pünktlich um halb 7 an, alle stiegen gutgelaunt und  erwartungsfroh in den Bus, ausgerüstet wie richtige Touris mit Sonnencreme, Kamera, Wanderschuhen und Rucksack.

Nach einer kurzen Busfahrt mit Wartezeit bei der brasilianischen Grenze (Brasilianischer Stempel im Reisepass - Check!) kamen wir bei den Eingängen zur brasilianischen Seite der Wasserfälle an und mussten erstmal wunderschöne rote Leibchen anziehen, damit man als Gruppe immer gut zu erkennen war. Und da ich natürlich völlig frei vom Tadel der Eitelkeit bin, behielt ich sie, im Gegensatz zu vielen anderen, die nächsten zwei Tage auch fast durchgehend an, was mir als Preis die argentinische Süßigkeit „alfajor“ einbrachte.

 

Nach dem Passieren der Eingänge wurden mit einem Bus noch ein bisschen weiter kutschiert, bis wir den ersten der ungefähr 300  Wasserfälle sahen. Ab da latschten los zum wichtigsten und größten Wasserfall, dem „garganta do diabo“. In der sengenden Hitze von 30 Grad und mehr wurde die Wanderung regelmäßig von Fotosessions unterbrochen, bis wir dann endlich inmitten von tosenden Wassermassen ankamen. Rechts Wasserfälle, links Wasserfälle, einfach überall sprühendes Wasser, und inmitten dieses Naturereignisses ein kleiner Steg für die Touristen.

Diesen Eindruck, den man umgeben von dieser gewaltigen Kraft bekommt, lässt sich so leicht nicht beschreiben. Man muss es einfach gesehen haben.

Der Rückweg wanderten wir locker dahin, bis wir auf einmal am Wegesrand einen riesigen, schwarz weiß gestreiften Waran neben uns schleichen sahen. Das Tier spazierte ganz gemütlich mit seinem fast einen Meter großen Körper an uns vorbei und wurde von uns begeistert fotografiert.

Das Mittagessen fand in einem brasilianischen Restaurant statt, das mit vielen kleinen brasilianischen Spezialitäten begeisterte.

Danach kam ein Eintauchen in die Welt der „aborígenes argentinos“ – den Ureinwohnern von Argentinien. Mit einem großen, wackeligen Ungestüm von einer Mischung aus Auto und LKW mit offenen Seiten fuhren wir eine wacklige, mit rotem Staub bedeckte Straße entlang, auf der uns von allen Seiten freundliches Winken erwartete.

Bei der kleinen Siedlung angekommen, wurden wir von dem abgesandten Führer der Ureinwohner auf seiner dem Portugiesisch ähnelnden Sprache begrüßt und gingen mit ihm direkt zu einer kleinen Beispielhütte. In das eigentliche Dorf durften wir nicht rein, weshalb uns verschiedene nachgebaute Beispiele gezeigt wurden.

Das Prinzip dieses alten Stammes wurde uns genauestens erklärt und auf Nachfragen unsererseits freundlich geantwortet. Dieser alte ansässige Stamm hatte sich immer nur vom Jagen und Sammeln ernährt, bis es in der heutigen Zeit einfach nicht mehr möglich war. Heute lebt er (und ist darauf angewiesen) von diesen bezahlten Führungen durch die alte Kultur und den Verkauf von handgemachten Dingen an Touristen.

Im Verlauf der Zeit wurden uns die verschiedenen alten Fallen gezeigt und erklärt, die heute jedoch durch mangelnden Wildverkehr nicht mehr benutzt werden.

Die Führung endete vor einer kleinen Hütte, aus der um die 20 kleinen Kinder in gänzender goldener Kleidung traten und anfingen, uns ein einfaches Lied vorzusingen, während sie mit riesigen Stöcken auf die Erde trommelten. Zum Schluss wurde eine Spende gewünscht und ein Gruppenfoto gemacht. Als dann auch die letzten Tussis mit ihren Selfies mit kleinen Urweinwohnerkindern fertig waren, durfte die Gruppe auch endlich weiter. Die Endstation waren mehrere Verkaufsstände des Stammes, die dann fleißig (und unter Zeitdruck) leergekauft wurden.

Auf der Rückfahrt in dem autoartigen Ungetüm ließen wir uns die langsam kälter werdende Luft in unsere erhitzen Gesichter wehen und landeten auf dem vorläufig letzten Tagespunkt: Dem Schmetterlingshaus. Das hat sich eigentlich nur dadurch gelohnt, dass eine Freundin tierische Angst vor Schmetterlingen hat und ihre Kreische bestimmt bis zu den Wasserfällen zu hören waren, wenn ihr mal wieder eins dieser Riesenviecher ins Gesicht flog. Wenn ich dann nicht gerade vor Lachen am Boden lag, konnten bestimmt ganze zwei verschiedene Arten Schmetterlinge bestaunt werden, die besonders interessante Färbungen wie braun und sogar dunkelbraun aufwiesen.

 

Eigentlich wollten wir nach diesem anstrengenden Tag sofort schlafen gehen, jedoch machte uns da etwas einen Strich durch die Rechnung.

Gemütlich eingemummelt im Bett hörten meine Zimmernachbarin und ich plötzlich diverse Schreie aus dem anderen Zimmer, sprangen sofort auf und sprinteten hinüber. Wir, die irgendetwas übermäßig Schreckliches erwarteten, lachten reflexartig laut auf, als die einzige Erklärung einfach nur „Frosch“ hieß. Natürlich war es aber ein Monsterfrosch: Riesig, mit lauter grün floreszierenden Stacheln, wenn man genauer hinschaut aber einfach nur ein normaler, kleiner Frosch, den man auch in Deutschland häufig sieht. Natürlich wurde ich dann dazu auserkoren, dieses Monster (kurz „Freddi“) in seine Schranken zu weisen, was er jedoch ganz anders sah. Jede Mal, wenn wir uns ihm auch nur auf 10 cm näherten, sprang er weg, sodass er im Endeffekt ganz unauffindbar war. Da haben sich welche aber gefreut, mit Freddi eine Nacht verbringen zu dürfen!

Der nächste Tag begann wieder mit unseren modischen Leibchen, deren Anwesenheit uns bei 36 Grad natürlich besonders freute! An diesem Tag sollte die argentinische Seite der Wasserfälle erkundet werden. Die argentinische Seite hat alle Wasserfälle beinhaltet fast alle der 300 Wasserfälle, die brasilianische als gegenüberliegende natürlich deshalb die bessere Sicht.

Die Wanderung durch den argentinischen Nationalpark sollte 6 Stunden dauern…tolle Aussicht, wenn einem schon nach fünf Minuten der Schweiß läuft. Die lange Wanderung wurde durch ein paar lustige Spiele unserer Mädchengruppe aufgeheitert, „Pitch die Bitch“ erfreuet sich größter Beliebtheit!

Auch die vielen kleinen Nasenbären, die es meist nur auf das Essen abgesehen haben, haben das Erlebnis zu etwas besonderem gemacht.

Danach wurde noch kurz das Dreiländereck von Argentinien, Brasilien und Paraguay besucht, auf dem wir hauptsächlich Souvenirs einkauften, darunter auch mein erster Mate Becher!

Dann war auch der Tag geschafft. Der nächste war schon der Abreisetag, mit gepackten Sachen wurden noch kurz die Jesuitenruinen angeguckt (Weltkulturerbe!), was sehr interessant und leider ziemlich kurz war, dann ging es für die 25 Stunden zurück in den Bus.

 

Nebenbei: Im argentinischen Punktesystem von 1 bis 10 habe ich 10 Punkte in Mathe, Musik und Englisch und 9 Punkte in Physik gerade zurückbekommen!

 

Ich hoffe, mein Deutsch verschlechtert sich nicht großartig, aber vielleicht lässt sich ja vom ersten bis zum letzten Eintrag irgendwann ein Unterschied feststellen. Selbst jetzt fallen mir schon schlechter deutsche Redewendungen ein und ich denke auch auf Spanisch. Noch lese ich Bücher auf Deutsch, mal sehen, wie das mit dem ersten spanischen Buch wird!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der Alltag kommt schleichend

24Aug2014

Hallo!

 

Lange habe ich nicht mehr berichtetm daher wird dieser Eintrag ein längerer aus mehreren Einzelheiten werden!

 

5 Wochen bin ich jetzt in Argentinien, 3 Wochen habe ich schon den (Schul-)Alltag hinter mir. Die Schule hier ist laut, wild und sympathisch. Wenn nicht gerade Pause der Großen ist und alle entspannt im Schulhof fläzen (auch mal mit schuleigenen Gitarren, die dann weitergereicht werden, während alle mitsingen), toben die kleinen Kinder ab sechs durch die ganze Schule und veranstalten einen Krach, der den Unterricht stören würde..wenn denn vernünftiger gemacht würde.Die Stunden hier bestehen entwederaus Tests, von der Tafel etwas abschreiben oder Pause. Wobei es für mich im Moment noch Dauerpause heißt, weil ich vom Stoff nicht besonders viel verstehe, Hausaufgaben oft nicht machen muss und die Tests nur teilweise mitschreibe. Einen habe ich über den zweiten Weltkrieg geschrieben, für den der hängengebliebene Stoff aus Deutschland locker gereicht hat und der Test in Wirtschaft (ja, genauso schrecklich, wie es sich anhört) wurde jeweils in Vierergruppen geschrieben (?!), was mir ordentliche acht Punkte eingebracht hat!

Das Notensystem geht hier von eins bis zehn, wobei zehn die beste Note ist.

Meine erste Sportstunde habe ich auch überstanden, heißt: In der Hitze von 30 Grad mitten auf dem Schulhof in langen, gefütterten Sporthosen ein paar Bälle schlagen. Unser derzeitiges Thema ist Volleyball und wie so einige wissen, zeige ich hier ein besonderes Talent. Mein erster Ball flog zielsicher gegen den nächstbesten Kopf einer Mitspielerin, wo dann glücklicherweise auch noch mehr landeten. Ab der nächsten Stunde wird dann das Thema Ausdauer angefangen, was bei zunehmenden Temperaturen noch glücklicher macht. Zur Zeit ist hier Winter, tiefster Winter mit Temperaturen um die 30 Grad.

Die Schuluniform besteht aus einer langen blauen Hose, einem weißen Polo-Shirt mit Schulemblem, einem normalen weißen T-Shirt mit Schulemblem für den Sportunterricht und einer gefütterten blauen, langen Jogginghose für den Sportunterricht (...).

Ich komme immer so gegen halb vier von der Schule, die Nachmittage hier sind recht entspannt, erst esse ich alleine Mittag, dann mache ich Siesta und wenn es dann etwas zu tun gibt, wird es getan..oder auch nicht. Um elf Uhr gibt es Abendessen und dann gehe ich meistens ins Bett, wobei die anderen deutlich länger aufbleiben. Der entspannte Nachmittag ist ganz nett, aber ich werde wohl demnächst mit irgendeiner Sportart anfangen, damit ich das als Ausgleich habe und die Wohnung verlassen kann, da ich alleine nicht raus darf.

 

Meine erste Party habe ich auch schon hinter mich gebracht. Gerade als ich ins Bett gehen wollte, hielt mich meine Schwester an und sagte, dass wir vielleicht auf eine Party gehen würden. Ich fragte nach dem Vielleicht und die Antwort war, dass sie nur den Bruder fragen müsste, ob er uns auch mitnehmen würde. Also machte ich mich ungewiss fertig und wartete dann mit meiner Schwester, und wartete und wartete. Als der Bruder dann gegen eins mit Freunden nach Hause kam, wurden sie überredet und los ging es. Von zwei bis vier tanzten wir in einem Club in der Stadt, wobei die Argentinierinnen hier ziemlich freizügig unterwegssind und die Jungen einen gerne schnell anquatschen. DIe Musik der Liveband war gut und es war insgesamt ziemlich nett.

Der Urlaub ist auh schon geplant und klingt ziemlich verlockend. Wir entfliehen den sommerlichen über 40 Grad hier, um in unserem Strandhaus 35 zu haben. Das liegt direkt am Meer, jeder darf Freunde mitnehmen und die gesamte Großfamilie fährt daauch hin, die Tage werden faul am Strand verbracht und die Nächte duchgetanzt!

Mein Spanisch hat sich auch schon gebessert, verständigen kann ich mich und ich verstehe auch recht viel, jedoch fehlen mir ziemlich viele Vokabeln, aber die kommen wohl mit der Zeit.

Gestern war das erste Wiedersehen mit den anderen Austauschschülern. Der Tag fing gut an, statt wochenendlichem Ausschlafen durfte ich um acht aufstehen und dann ging es mit meinem Gastvater im Auto eine Stunde zum Treffpunkt. Dort wurde dann erstmal das fröhliche Wiedersehen gefeiert, bevor es dann im Bus weiterging. Die Landschaft wurde hügeliger, die Häuser weniger und dann waren wir da. Bei 30 Grad ging es los und wir wanderten in der wunderschönen Berglandschaft von Cordoba. Wir kamen vorbei an Wasserfällen, mussten den Fluss oft über ein paar kleine, wackelige Steine überqueren (was mir sogleich zum Verhängsnis wurde...meine Schuhe waren nass und voller Schlamm) und genossen schwitzenderweise die Landschaft. Als Pause zur anstrengenden Kraxelei machten wir einmal an einem Wasserfall und einmal an einem Flussbecken vorbei, was bei einigen zum Schwimmen und interessanten Wet-T-Shirt-contests ausartete. Verschwitzt und voller Staub, Schweiß und Schlamm mussten wir nach fünf Stunden anstrengender Wanderung dann mit dem öffentlichen Bus nach Hause, in dem ich prompt mein Handy verlor und wir die Zeit damit verbrachten, das zu suchen und zum Glück auch zu finden.

Das war es jetzt erstmal mit Neuigkeiten, Fragen könnt ihr mir gerne in die Kommentare stellen oder mir eine nette E-Mail schreiben! Skype funktioniert auch.

Bilder gibt es (auch noch von der Vorbereitungswoche) bei Facebook bei "ICC Cordoba" zu sehen. EInfach eine Freundschaftsanfrage senden.

Jettsche!

06Aug2014

Heute war mein erster Schultag!

 

Mein Aufgeregtheitsgrad dümpelte irgendwo in den Wolken, als ich heute zwei Stunden vor Schulbeginn aufstand, damit ich auch ja nicht zu spät käme und solche äußerst wichtigen Sachen wie Haare oder Schuluniform richtig saßen. Schließlich hat man ja nicht alle Tage seinen ersten Schultag in einem völlig fremden Land, dessen Sprache man dazu so gut wie gar nicht beherrscht!

Mein Gastbruder brachte mich und meine Gastschwester mit einem laut röhrenden Pickup zur fünf Minuten entfernten Schule, an der wir dann gemeinsam ausstiegen und zielstrebig durch den großen Eingang mit kirchenähnlichen Fenstern zum Kreis ihrer Freunde fanden. Ein paar begrüßten mich halbwegs herzlich mit einem Wangenküsschen und dann ging es auch schon mit dem allmorgendlichen Schulgebet los.

 

Die (25?) Klassen versammelten sich und so wurde ich auch zu meiner gebracht, die schon brav in einer Reihe stand. Ich wurde von ein paar Mädchen nett angelächelt und dann mussten wir leise sein, da das Gebet, welches der Schuldirektor sprach, während zwei kleine Jungen die Flaggen hissten, in ein Mikrofon sprach. Er redete, redete und redete und irgendwann hörte ich nur das Wort "intercambio" (Austausch), schaute auf und sah die Augen der gesamten Schule auf mir. Ich lächelte freundlich frech in die Runde und schon ging es weiter mit dem Pater Noster.

Mit zwei Mädchen ging ich in die Klasse und dort wurde ich sogleich eingeladen, mich neben eine zu setzen, wo wir uns dann erstmal befanden und ich von der gesamten Klasse mit Wangenkuss begrüßt wurde, Lehrer hin oder her. In der Mathematikstunde wurde ich dauerhaft vollgelabert und tausend Sachen gefragt, die ich dann mehr oder weniger gut beantwortete, wobei es immer einen lauten Lacher gab, wenn sie genau gemerkt hatten, dass ich einfach ohne etwas zu verstehen "Si" gesagt habe. Von Mathe habe ich nicht unbedingt viel mitbekommen, aber außer Mitschreiben gibt es hier wohl erstmal eh nicht so viel, das ich machen kann.

In der Pause wurde mein Platz zum Versammlungsplatz und ich wurde von allen umringt, es wurde viel gefragt, gelacht und besonders herzlich gelächelt! Beliebt waren besonders die Themen deutsche Schimpfwörter, Messi, der beste Fußballspieler und der Gaucho-Tanz, den ich sogleich zum besten geben musste.

Mein Name ist hier dann entweder das nach langer Übung entsandene "Jettsche" oder dann einfach Josephina.

Der Englischunterricht fiel anscheinend "wie so oft" aus, weil sich die Lehrerin bei meiner Klasse einfach kein Gehör verschaffen kann und wie die Mädchen um mich rum ganz passend beschrieben haben: " Wir haben die Power über die Lehrer!" Die Jungen machten, was sie wollten, und im Endeffekt kam dann die Lehrerin an meinen Tisch und übersetzte alle Fragen der zuströmenden Schüler an mich auf Englisch, was dann die gesamte Stunde dauerte.

Die nächsten Stunden veriefen relativ ereignislos, ich kann nur sagen: Economia und Sistemas de Informacion werden hier wohl nicht zu meinen Lieblingsfächerin gehören, obwohl ich sie ziemlich oft habe werde, da ich auf dem ökonomischen Zweig der Schule gelandet bin.

 

Insgesamt war das ein toller erster Schultag, der nur wieder die Offenheit und Herzlichkeit der Argentinier bestätigt, wobei es an keiner einzigen deutschen Schule so abgelaufen wäre!Ich habe hier keine Minute, ohne dass mich jemand etwas fragt, mir zugezwinkert oder zugelächelt wird.

 

Glückliche Grüße,

Jette

 

 

 

 

 

 

 

 

Deutsche = Kuriositäten

28Juli2014

Nur eine kurze Info: Schule!

 

Heute hatte ich erst Spanischunterricht, der natürlich ganz pünktlich eine Stunde nach eigentlichem Beginn anfing.

Dann ging es mit unserer Spanischlehrerin zu meiner Schule, die um einen Termin gebeten hatte.Dort wurden uns alle Lehrer, Lehrerhelfer (Praeceptoren) und Sekretäre mit Wangenkuss vorgestellt. Ein Rundgang durch die sehr gläubige Schule zeigte alle Räumlichkeiten, den Pool und tausende Bilder von Heiligen. Dabei wurden Justus (blond, blauäugig) und ich einfach von allen angestarrt. Die ganz Mutigen trauten sich sogar, "Hola" zu sagen und wurden danach von ihren Freunden begeistert empfangen.

Beim Herumführen vom Direktor fiel mir ein Basketball vor die Füße, den ich sogleich reflexartig wegtrat und der ihn natürlich traf. Daraufhin meckerte er natürlich mehrere Schüler an, die sich danach nur grinsend zu mir umdrehten. Toller Start! :D

Dann ging es in die Klassen. Es wurde stundenlang vom Konzept des Austausches erzählt und irgendwann durfte ich mich dann auch vorstellen. Alle Augenpaare lagen auf mir und ich sagte in bestem Spanisch: "Soy Jette", was natürlich eine wilde Diskussion vom Zaun brach, wie dieser Name auszusprechen sei, sodass ich ihn irgendwann anschreiben musste. Alle waren sehr laut und interessiert. Justus wurde sogleich gefragt, ob er nicht auch in ihre Klasse kommen wolle, blonde Menschen sind hier echt etwas total besonderes!

 

Insgesamt wurden wir dauernd angestarrt und standen im Mittelpunkt aller Aufmerksamkeit (für einen schüchternen Menschen wie mich natürlich sehr schlimm..).

 

Spanglisch? Just "si" and smile!

28Juli2014

Vorab: Mein Computer streikt, kein einziges Foto will er hochladen. Da ich aber netterweise tausend Fotos gemacht habe, würde ich sie euch auch gerne zeigen und würde einfach eine Facebookgruppe vorschlagen, in der diese dann gezeigt werden. Bessere Vorschläge in den Kommentaren werde gerne angenommen und wer sonst gerne reinmöchte, soll es bitte auch sagen.

Gerade sitze ich mit meiner Gastfamilie in der Küche und gucke (mehr oder weniger) Transformers auf Spanisch mit der zweitsüßesten Katze der Welt auf dem Schoß...aber ich fange einfach mal von vorne an.

Mittwoch stand die Stadtrundfahrt durch Cordoba an. Wir fuhren nach den sechs Stunden Spanischunterricht los und mussten dadurch leider die heißgeliebte Siesta ausfallen lassen.

Neben Anna-Lea und unfreiwillig mit der schlechteste Technomusik im Ohr sahen wir das allererste Mal Cordoba. Dort angekommen ging es mitten ins Zentrum zum Büro meiner Organisation, icc cordoba. DIe spendierten uns dort dann netterweise Empanadas (Teigtaschen mit mal mehr, mal weniger leckerer Füllung) und dann zogen wir unsere ersten argentinischen Pesos. Nicht ganz so interessant, wie es klingt, besonders, wenn man gezwungen wird, alles auf Spanisch zu erledigen.

Die anstehende Stadtrundfahrt saß ich neben der Lockenclubteilnehmerin Katharina, was das Erkunden Cordobas erträglicher werden ließ, da die gefühlte Temperatur oben auf einem Doppeldeckerbus -32323 Grad beträgt. Cordoba ist an sich eine sehr schöne Stadt, viele alte Gebäude, viele Bäume, aber eigentlich einfach eine normale (dreckige) Großstadt mit Menschen und Geschäften.

Am Freitag wurden Gastschüler ausgefragt, die seit Februar hier sind und die nochmal besonders betont haben, was für ein Dorf Cordoba ist, weil einfach alles in Sekundenschnelle von Mund zu Mund geht. AUßerdem sollte man hier gut auf seine Tasche aufpassen und alleine darf man nach den Gastfamilien eh nicht aus dem Haus.

Danach durften wir alle unser Tanzgeschick auf die Probe stellen. Vier professionelle Tänzer zeigten traditionelle cordobesische Tänze (Tango und was weiß ich alles) und danach durfte ich mein herausragendes Talent  bei verschiedenen Leuten zeigen (Angi, der nicht verständlichen Österreicherin, dem einen Gastschüler, etc.) und im Endeffekt meiner wunderbaren Tanzpartnerin Nadeschda! Jeder darf jetzt mal raten, welchen Part ich beim Tanzen übernommen habe..

Am nächsten Tag (..dem wir alle voller Angst entgegen sahen!) buken wir Empanadas (meine waren die schönsten!) und zogen uns nach gefühlten 45 Stunden der Besprechung passende Kleidung an.

Zitternd standen wir in der Eingangshalle, warteten auf unsere Gastfamilien und schmiedeten ausgefallene Fluchtpläne (wie klingt nach Buenos Aires trampen?).

Mit meinem Glück war ich als drittes dran und stand zitternd vor allen vier Teilnehmern meiner Gastfamilie. Sofort wurde ich in eine herzliche Umarmung gezogen und wir gingen lecker selbstgemachte Empanadas essen, wobei ich keine einzige runterbekam.

Das Gespräch verlief stockend zwecks mangelnder Spanisch-/Englischkenntnisse und nach einem gemeinsamen Foto ging es in einem silbernen Fiat ins neue Zuhause!

Dort angekommen wurde mir das (große!) Haus gezeigt. Die Küche als Familienversammlungsort, der Innenhof mit anschließender Werkstatt des Vaters, die drei Bäder, die zweitsüßeste Katze der Welt, die zwei Hund, alles andere und mein Zimmer! Als eine der wenigen, die ein Einzelzimmer beim schätzte ich mich mit meinem kleinen Zimmer mit Kleiderschrank und im Jugendherbergenstil gemachten Doppelbett glücklich. Dazu muss gesagt werden: Das tägliche Leben in Argentinien findet in der Küche oder im Wohnzimmer statt, Schlafzimmer sind ausschließlich zum Schlafen da.

Dann wurden meine Gastgeschenke verteilt. Besonders eingeschlagen haben Toblerone und Pralinen, der Sanddorntee wurde gleich ausprobiert und für nicht trinkfähig befunden.

Später wurde ich mit meiner fünfzehnjährigen Gastschwester Antonella in die Stadt gebracht und wir verbrachte Zeit im Einkaufszentrum von Cordoba, wo wir Lumijos (Sandwiches) aßen und ein paar ihrer Freunde trafen.

Am nächsten Tag stand ich um 10 auf, traf in der Küche auf meine Gasteltern und wir aßen etwas zusammen. Ohne irgendetwas zum Thema Ort zu sagen, fuhr mein Gastvater danach mit mir zu drei verschiedenen Schlachtern (Schwein, Geflügel und Rind) und wir kauften für 3 Großfamilien Fleisch. Die anschließenden Stunde verbrachte ich lesenderweise  mit ihnen in der Küche, bis um halb zwei meine Gastgeschwister Antonella und Gabriel sich aus dem Bett bewegten.

Dann wurde gegrillt und (so wie ich es verstanden habe..:D) kam die Tochter meines Gastvaters und wir aßen lecker gegrilltes argentinisches Fleisch. Nach dem Essen aßen wir Eis, meine mitgebrachten Süßigkeiten und verbrachten so 2 Stunden.

Irgendwann wurde nur gesagt: "Vamos" (-Wir gehen; nochmal sehr argentinientypisch: Spontaneität!) und wir fuhren zur Schwester meines Gastvaters. Ich wurde von jedem sehr nett mit argentinisch typischem Wangenkuss begrüßt und dann wurde sich unterhalten (mir wurde auf Spanisch etwas erzählt, auf Englisch versucht, zu wiederholen und dann habe ich si gesagt und gelächelt, wir uns schon bei der Orientation eingeimpft wurde), der Hof gezeigt und ein tabuähnliches Spiel gespielt.
 

 

Buenos noches,

Jette

 

Und ja, meine vielen Klammern gehen mir selber auch auf den Keks.

 

 

 

 

 

Ankunft im Land der paddeligen Busfahrer

22Juli2014

Hallo!

Nach einem ereignislosen Flug nach Madrid musste ich mich mit zwei weiteren Argentinienfahrern ertmal durch den Urwald des Flughafens von Madrid kämpfen. Auf dem Weg (der leider ziemlich viel falsches Schlangenanstehen beinhaltete :D) trafen wir dann auf Anna, meine jetzige Zimmernachbarin.

Die anstehenden acht Stunden wurden in diversen Dutyfree-shops verbracht (der neue Chanelduft ist toll!) und als wir dann duftenderweise im Flugzeug nach Buenoes Aires saßen, kam uns die Idee, dass es doch deutlich geiler wäre, zu viert nebeneinander zu sitzen und diverse Sprachkenntnisse wurden zusammengelegt, um das endgültige Ziel des Zusammensitzens zu erreichen.
Über diesen Flug lässt sich leider nur sagen, dass die Filmauswahl ziemlich schlecht war. Aber im Endeffekt wurde ein Herculesfilm mit dem sexy Kellan Lutz ausgewählt.

Todmüde mussten wir dann durch den Flughafen in Buenos  Aires hetzen und haben vier neue Leute gefunden, die auch mit derselben Organisation hier in Cordoba fahren. Unsere Koffermussten wir so schnell wie möglich (in 1,5 Stunden!)  transportieren, Visumsfragen  beantworten und auch noch ein zu der Zeit unbekanntes Gate  finden.

Prompt verloren ein Mädchen und ich die anderen und mussten uns mit Hilfe von vielen hilfsbereiten Argentiniern allein durchschlagen.

Kurz vorm Gate trafen wir die anderen wieder und es ging los nach Cordoba!

Dort wurden wir nett begrüßt und es ging sofort mit dem Bus in unser muffig riechendes, im mittelalterlichen Bauernhausstil erbautes Hotel.

Der Busfahrer zeigte uns gleich mal die typische Sorglosigkeit der Argentinier, indem er mit dem Bus ein Carpot am Hotel schrammte, die Scheibe splitterte und er diese nur schulterzuckend begutachtete und weiterfuhr.

Im Hotel erwartete uns dann die heißersehnte Dusche. Mit meinen Zimmernachbarn Anna, Miriam und Theresa verstehe ich mich ziemlich gut. Mit  Annsophie und Lisa ging es dann das argentinische Gras im Garten des Hotels erkunden (zum Glück keine Schnecken gefunden!) und anschließend gab es eine Einführung mit dem symbolischen ersten Mate-Tee. Der macht ziemlich schnell süchtig und ist auch noch recht eklig und die Tatsache, dass alle (27) Leute mit dem gleichen Strohhalm trinken, macht es auch nicht viel besser. Das Abendessen bestand lustigerweise aus Schnitzel :D
Alle Leute hier sind total nett, kein einziger wäre dabei, mit dem ich  mich nicht mindestens gut unterhalten kann. Auch, wenn hier leider alle ziemlich handy-süchtig sind.

Der nächste Morgen ging mit Jetlag ziemlich früh los, was das Dulche de Leche aber deutlich wettmachte, tausendmal besser als Nutella!

Mit meinen so gut wie nicht vorhandenen Spanischkenntnissn ging es ab in die Anfängergruppe und es gab 6 Stunden Spanischunterricht, wobei ich mir besonders das Wort Pause einprägte und es gleich häufig benutzte.

Jetzt, nach unendlich langen Besprechungen über Regeln und Gesetze hier, habe ich endlich W-Lan und kann euch und besonders meinen hoffentlich besorgten Eltern mitteilen: ICH LEBE NOCH!

 

Euch wünsche ich eine tolle Woche und herzlichen Glückwunsch an alle, die sich diesen langen Blogeintrag durchlesen konnten und wollten!